Schweizer System unabdingbar?

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Schweizer System unabdingbar?

Beitrag  maguire am Do 18 Jul 2013 - 11:25

Ich würde gern mal den gängigen Turniermodus diskutieren.
Nachdem ich jetzt einige Turniere mitgespielt habe, frage ich mich, ob das einfache Schweizer System wirklich das geeignetste ist. Ich finde es klasse, auf einem Turnier sieben Partien zu bekommen, schon deshalb werde ich weiterhin zu Turnieren fahren. Und sicherlich ist es eindrucksvoll, mal mit einem deutlich besseren Spieler am Brett zu sitzen. Nicht, dass ich wirklich eine Chance hätte, aber zum Zuschauen ist es schon interessant. Allerdings machen diese Partien im Schnitt knapp die Hälfte aller meiner Turnierpartien aus und das finde ich ein wenig viel. Den stärkeren Spielern wird es wahrscheinlich ähnlich gehen, nur eben andersherum.

Meiner Meinung nach ist das Grundprinzip des Schweizer Systems gut für Turniere mit einer hohen Anzahl an Runden. Je länger das Turnier geht, desto besser nähern sich die Spielstärken in der Auslosung an. Dummerweise fängt jedes Carrom-Turnier aber wieder bei Null an, sodass sich der Effekt der großen Spielstärkendifferenz zu Beginn auch jedesmal wiederholt. Ich finde diese Phase überrepräsentiert.

Mir persönlich würde es besser gefallen, mindestens sechs der Partien gegen Gegner mit vergleichbarer Spielstärke bestreiten zu können. Bei Go-Turnieren, von denen ich schon einige gespielt und organisiert habe, hat sich das McMahon-System (http://de.wikipedia.org/wiki/Mac-Mahon-System) durchgesetzt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch ein Ranking. Im Go wird dafür die Einstufung der Spielstärke in Rängen (durch Selbsteinstufung) oder die nationale oder europäische Rangliste zugrunde gelegt. Da aber im Carrom zumindest für die ODM bereits ein ergebnisbasiertes Ranking besteht, dürfte es nicht schwer sein, dies für die Einstufung zum Turnierbeginn zu nutzen.

Ich weiß nicht, ob und wie weit dieses Thema schon mal diskutiert wurde. Falls ich hier nur olle Kamellen wiederhole, würde ich mich über eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse freuen. Sollten sich aber auch andere über mehr Turnierpartien gegen vergleichbar starke Gegner freuen, würde ich hier gerne über möglich Ansätze sprechen.

lg, maguire
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Schweizer System (warum wir so spielen)

Beitrag  CCD_GS am Sa 2 Nov 2013 - 9:46

Hallo Maguire,
ich wurde gebeten auf deinen Beitrag zu antworten, da ich fast alle Turniere leite und wir diese nunmehr seit Jahren nach dem Schweizer System spielen (davor gab es mindestens 3 völlig unterschiedliche Turniermodi).

Zu deinen Anmerkungen:
Auch bei unseren Turnieren wird die erste Runde nach einer Setzliste gespielt. Damit wird sichergestellt, dass nicht einer der Topspieler gegen einen absoluten Anfänger spielt, gegen den er natürlich gewinnt, aber im Verlauf des Turniers keinerlei Buchholzpunkte aus dieser Partie erhält. Er wäre stark benachteiligt gegenüber einem gleichwertigen Topspieler, der "nur" gegen einen Durchschnittsspieler spielt (gegen den er natürlich auch gewinnt) und der dann im Verlauf des Turniers aber Buchholzpunkte liefert.
(Hinweis: Buchholzpunkte geben letztendlich die Spielstärke deiner Gegner wieder. Du erhältst für jeden Sieg den deine Gegner im Laufe des Turniers errungen haben je 2 Buchholzpunkte.)

Weiterhin spielen wir nach dem "Cross-Ranking-Modus" der verhindern soll, dass die beiden Top-Spieler bereits in der zweiten Runde gegeneinander antreten müssen, was dann den Verlierer ins Mittelfeld "abstürzen" lassen würde (dort müsste er erst wieder gegen einen mittelmäßigen Spieler antreten, von dem er natürlich auch im Laufe des Turniers wieder weniger Buchholzpunkte erhält).

Ich kenne zwar die Feinheiten des von dir vorgeschlagenen Schweizer-System-Modus nicht, kann dir aber auch versichern, dass sich in den letzten Jahren ganz viele Carromer intensiv mit dem Schweizer System beschäftigt haben und jedes Schweizer System natürlich auch kleine Stärken und Schwächen hat (ich kenne mittlerweile 5 verschiedene Turnierprogramme).
Ein wirklich "gerechtes" Turnierprogramm gibt es nur im Modus "Jeder-gegen-Jeden" - die Zeit haben wir aber leider bei unseren Turnieren nicht.

Für mich ist das Schweizer System, das wir derzeit spielen weitestgehend "gerecht". Unser ehemaliges Turnierprogramm hatte hier zwar den Vorteil, dass man die Anzahl der Runden, die nach Setzliste gespielt werden vorgeben konnte (früher haben wir immer 2 Runden nach Setzliste gespielt) und war hier noch etwas optimierter, aber auch dieser Modus hatte seine Tücken, bei Topspielern, die wegen mehrfacher Nichtteilnahme nicht gelistet waren.
Auch die Anzahl der Runden ab wann ein Turnier nach dem Schweizer System gerecht ist, ergibt sich aus dem mathematischen Algorithmus (bei 32 bis 64 Spielern sind dies mindestens 6 Runden). Bei einer deutlich höheren Rundenzahl wird das System wieder ungerecht.

Letztendlich kann jedes Programm aber nur dann wirklich optimal arbeiten, wenn die Spieler auch über den gesamten Turnierverlauf konstant gleichbleibende Leistungen abliefern. Da dies aber nie der Fall sein wird, wird es immer wieder Diskussionen darüber geben, warum man nach einer verlorenen Partie vielleicht ausgerechnet wieder gegen einen "Killer" antreten muss. Im unteren Ranglistenfeld ist die Spreizung hinsichtlich der Leistung bei den einzelnen Spielen erfahrungsgemäß sehr groß, weshalb gerade dort oft vermeintlich "ungerechte" Paarungen zu Stande kommen - dafür kann aber das beste Programm nichts. Wink 

Letztendlich ist es aber doch gerade auch das, was Carrom so interessant macht! Man kann schließlich jeden Spieler schlagen, man muss nur einfach mal für ein einziges Spiel besser sein und vielleicht auch mal etwas Glück haben (frei nach dem Motto "Augen zu und Kurt").

Viele Grüße
Gunter
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